PSA (Prostata-spezifisches-Antigen)

Beim prostataspezifischen Antigen handelt es sich um den wichtigsten Laborparameter im Zusammenhang mit der Prostatakarzinomdiagnostik. Das PSA ist kein karzinomspezifisches- sondern lediglich prostataspezifisches Protein. Ein erhöhter PSA-Wert ist also nicht zwangsläufig mit einem Prostatakarzinom verbunden sondern kann auch bei entzündlichen Prozessen innerhalb des Prostataparenchyms sowie bei einer BPH erhöht sein. Auch die Manipulation an der Prostata durch Dauerkathetereinlage, die digital-rektale Untersuchung, die Stanzbiopsie, TUR-Eingriffe oder ein intensives Sexualleben können zu erhöhten PSA Werten führen. Falsch negative PSA-Werte können beispielsweise durch 5-alpha Reduktasehemmer entstehen.

Die Wahrscheinlichkeit an einem Prostatakarzinom erkrankt zu sein, steigt mit steigender PSA-Konzentration im Blut zu. Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation des PSA Wertes jedoch auch die Altersabhängigkeit der Serumkonzentration. Deshalb wurde eine altersspezifische Einteilung der PSA-Normwerte durchgeführt.

Altersabhängige Normwerte PSA (ng/ml)
40-49 0,0-2,5
50-59 0,0-3,5
60-69 0,0-4,5
70-79 0,0-6,5

Die Wertigkeit des PSA Testes ist unter anderem wegen der hohen Rate von sowohl falsch negativen als auch falsch positiven Tests umstritten. Bei Patienten mit einem PSA zwischen 2,6 und 4ng/ml kann ein Postatakarzinom in 22% der Fälle bei unauffälliger DRU nachgewiesen werden. Auf der anderen Seite haben Studien zeigen können, dass der positive prädiktive Wert eines PSA Wertes zwischen 4 und 10 ng/ml nur bei 12 % bis 32% liegt. Bei ca. 75% liegt somit ein falsch positiver Test vor. Dies führt zu einer erheblichen Anzahl an unnötig durchgeführten Prostatastanzbiopsien.
PSA-Werte über 10ng/ml hingegen ergaben in jeder zweiten Stanzbiopsie ein Prostatakarzinom, weshalb vor allem in diesem Referenzbereich die Stanzbiopsie zu empfehlen ist. Trotz des hohen PSA Wertes liegt bei ca. 25% dieser Patienten ein noch auf die Prostata begrenzter Tumor vor.

Neben dem absoluten PSA Wert kann die PSA Anstiegsgeschwindigkeit bzw. Verdopplungsgeschwindigkeit zur Risikoabschätzung für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms herangezogen werden. Eine relativ hohe Sensitivität (75%) bzw. Spezifität (95%) für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms wurde bei einem Grenzwert von 0,75ng/ml/Jahr (PSA-Velocity) festgestellt.

PSA liegt in freier (fPSA) und gebundener Form (komplexiert an Chymotrypsin und Makroglobulin). Der Quotient freies PSA / gebundenes PSA ist ein weiterer Parameter, der zur Früherkennung des Prostatakarzinoms verwendet wird. Beim Prostatakarzinom ist eben der Anteil des freien PSA im Blut geringer als der an Proteasen gebundene Anteil. In einer prospektiv randomisierten Studie wurde in der Stanzbiopsie bei 56% der Männer mit einem Quotienten <10% ein Prostatakarzinom entdeckt, während in der Gruppe mit einem Quotienten >10% bei nur 8 % ein Prostatakarzinom nachgewiesen wurde.

Auf die o.g. Referenzbereich zw. >4und 10ng/ml bezogen, kommt es unter Miteinbeziehung des Verhältnisses zu einer Reduktion der unnötigen Biopsien um 20%. Auch im Referenzbereich von 2,6-4ng/ml kann eine Reduktion der nicht nötigen Biopsien unter Einbeziehung des Verhältnisses freies PSA/gebundenem PSA um 18% gesenkt werden.
Inwieweit ein populationsweites PSA Screening die Prostatakarzinombedingte Mortalität reduzieren kann, wurde in zwei großen randomisiert prospektiven klinischen Studien untersucht: Die PLCO Studie (Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening Trial) wurden 76,693 Männer in den USA randomisiert entweder jährlich eine DRU und eine PSA Messung zu erhalten, oder den aktuell angewandten Standard.

Nach 13 Jahren Follow-up zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der PC bedingten Mortalität zwischen den beiden Gruppen. Im Gegensatz hierzu zeigte sich in der europäischen ERSPC (European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer) Studie, für die 182,160 Männer zwischen 50 und 74 randomisiert wurden (PSA Messung alle 4 Jahre vs. kein routinemäßiges PSA Screening) eine signifikante Reduktion des Risikos, an einem PC zu versterben (Risikoreduktion 21%). Um einen PC-bedingten Todesfall zu verhindern, mussten 1055 Männer zum Screening eingeladen werden und 37 Männer wegen eines Prostatakarzinoms behandelt werden. Auf sieben verhinderte Prostatakarzinom Todesfälle kommen 340 Überbehandlungen bzw. auf einen verhinderten Todesfall kommen 48 Überbehandlungen.

Aufgrund der zum Teil widersprüchlichen Ergebnisse über den Nutzen eines populationsweiten PSA Screenings hat sich die Preventive Task force der USA 2012 gegen ein PSA Screening ausgesprochen.

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